»Bernhard Schnelle gives a splendid historical view
of the European scripts, leading up to the scripts used in Germany.«

Luc Devroye, McGill University, Montreal, Canada

»Dies ist eine wunderbare, kompakte aber zugleich auch sehr informative Seite.
Ich finde es toll, dass Sie auch auf die Zusammenhänge zu anderen Kulturbereichen
aufmerksam machen - das ist gerade das, was mir als Sprachhistorikerin in vielen
Abhandlungen fehlt.«

Anna Filippova, Moskau

»Insgesamt gesehen eine sehr umfassende Arbeit, zu der man
nur gratulieren kann.«
 
Eckehart SchumacherGebler, München

»Sehr gute, informative Website mit Schrift- und Linkliste.«
Christoph Schwedhelm, Dortmund


Woher kommt eigentlich unsere Schrift?
Eine kleine Einführung in die Schriftgeschichte
von Bernhard Schnelle

Einleitung

Seit dem 1. August 1998 gibt es den über 500 Jahre alten Beruf des
Schriftsetzers offiziell nicht mehr. Angesichts der technologischen
Entwicklung erschien es dem Zentralen Fachausschuß, der
vom Bundesverband Druck und der Industrie-Gewerkschaft Medien
getragen wurde, sinnvoll, diesen Berufszweig in dem neuen Berufsbild
»Mediengestalter« aufgehen zu lassen. Verschiedene Unklarheiten
haften diesem bis heute an, so z.B. die Frage nach der Dauer der
Ausbildung oder die fehlende Klarheit der Lerninhalte; doch dies soll
nicht Thema dieser Einführung sein. Hier geht es vielmehr um den
Einsatz von Schrift. Tausende von Fonts sind heute auf eine einzige
CD-ROM gebrannt, von Unzialschriften, gotischen Schriften, Schreib-
schriften der Renaissance bis hin zu den Experimentalschriften der
Gegenwart ist so ziemlich alles vertreten, und was dem Gestalter
am Bildschirm zur Verfügung steht, wird dann auch hemmungslos
angewandt. Da werden häufig abenteuerliche Schriftmischungen vor-
genommen, Headlines aus der Fraktur im Versalsatz produziert
und die Frage, ob die ausgewählte Schrift eigentlich zum Inhalt
des Textes paßt, scheint ein Relikt aus der Vergangenheit zu sein.



Steht nicht in Mainz, sondern in Boltenhagen (Ostsee)

Woraus resultiert diese offensichtliche Unkenntnis? Doch wohl auch
aus dem Nichtwissen um den Ursprung und die Herkunft jener Schrift,
die uns tagtäglich umgibt und mit der wir allzu häufig respektlos umgehen.



Das Satzregal: Arbeitsplatz des Schriftsetzers im Bleisatz


Haben unsere Professoren, Ausbilder und Berufsschullehrer in den
zurückliegenden Jahren zuviel Technik und zu wenig Theorie
vermittelt, oder sind die Defizite bereits den allgemeinbildenden Schulen
anzulasten? Wie auch immer: Schrift bleibt auch im Zeitalter des Internet
und des Database publishing unser wichtigster Informationsträger, sie bleibt,
wie Hildegard Korger sehr richtig bemerkt, eines der kostbarsten Kultur-
güter der Menschheit. Grund genug also, sich mit den Wurzeln unserer
Lateinischen Schrift zu befassen.

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten;
oder wie der Typograf Kurt Weidemann es ausgedrückt hat:
Wer das Woherkommen nicht ergründet, findet im Wohingehen
keinen Halt. Typographie sucht nicht nach allem, was noch möglich
ist, sondern fragt nach dem, was nötig ist.


Noch deutlicher drückte es Jose Ortega y Gasset aus:
»Die Vergangenheit ist das einzige Arsenal, wo wir
das Rüstzeug finden, unsere Zukunft zu gestalten.«


Also, auf in die Vergangenheit, genauer gesagt, in das
6. Jahrtausend vor der Zeitwende.

 




„Der Schriftsetzer soll außer den technischen Kenntnissen, welche er während
seiner Lehrzeit sich aneignet, zuvörderst mit seiner Muttersprache vertraut sein,
außerdem die Umgangs- und alten Sprachen, wenigstens französisch, englisch,
lateinisch, griechisch und hebräisch, so weit pflegen, um die grammatikalischen
Grundregeln zu verstehen; ein hoher Grad von Vollkommenheit ist nicht erforderlich,
und er kann das Nöthige durch Selbstunterricht lernen. Ebenso wird ihm eine
lexikalische und tagesgeschichtliche Belesenheit  stets ein sicherer Führer sein
bei der so großen Mannichfaltigkeit des literarischen Stoffes, welcher ihm unter
Hand und Auge kommt…“


Carl August Franke: Katechismus der Buchdruckerkunst. Leipzig, 1862
 

»So wie Gutenberg die bibelschreibenden Mönche arbeitslos
machte, so bringen die computergesteuerten Satz- und Umbruch-
systeme die Jünger Gutenbergs um ihren Beruf. Das Pendel
schlägt jetzt heftig nach einer Seite aus. Aber es wird auch wieder
zurückschwingen, und dann wird man bemerken, daß doch nicht
jeder Beliebige ohne Ausbildung mit Schrift umgehen kann.«


Norbert Denkel in der Wochenzeitung »Die Zeit«, 31. März 1978



Wappen der Buchdrucker und Schriftsetzer

»Die Schriftsetzer sollen einen Adler, der in der rechten Klaue einen sogenannten
Winkelhaken und in der linken ein Retinaculum, worauf mit dem Divisorio sein
Manuskript befestiget ist, die Drucker aber einen Greif, mit den Druck-Ballen in den
Klauen, im Wappen führen, und beyde Wappen sollen mit gekrönten offenem Helm
geziert seyn.«
Georg Heinrich Mahncke, Hamburg, 1809
(Retinaculum = Halter, Haken, Klammer)


Inhaltsübersicht
Letzte Aktualisierung: 01. 10. 2014


Seite 1:
Lagen die Wurzeln in Alteuropa?
Kreta und Zypern


Seite 2:
Das phönikische Konsonantenalphabet.
Die griechische Schrift


Seite 3:
Die Schrift der Etrusker.
Alpine Schriften.
Die Runen.
Die Westgotische Schrift


Seite 4:
Capitalis monumentalis.
Die Römische Stempelschrift.
Römische Kursiv.
Die Buchschriften.
Römische Unziale und Halbunziale


Seite 5:
Die irreführende Bezeichnung »Nationalschriften«.
Die Karolingische Minuskel.
Die weitere Entwicklung bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts.
Kurrent und Sütterlin.
Leserbrief


Literatur:
Von A wie ATF bis Z wie Zapf


Ziffern:
Zur Geschichte der arabischen Ziffern.
Das griechische Alphabet.
Das bulgarische Alphabet


Bleisatz:
Souvenirs aus der Bleisatz-Zeit


Klassifikation:
Schriftklassifikation nach DIN 16 518
Gruppen I bis IX


Gebrochene:
Gruppen X bis XI
Eine neue DIN-Norm?
Das runde r in älteren gebrochenen Schriften.
Voiksbühne goes blackletter oder: Wenn Profis
ahnungslos sind...
Musterschüler oder: Über die Schwierigkeiten ...
»Als Ur-Opa nach Braunschweig zog«: Ein nicht
veröffentlichter Leserbrief an die Braunschweiger Zeitung.
Lesehilfe


Frakturverbot:
Schrift als Politikum


Schrift(liches):
Aus dem Kuriositätenkabinett:
Die Centralschrift von 1853.
Der Ursprung des Lang-s.
Die Ligatur ß.
Brauchen wir ein Versal-ß ?
Geheimnisvolle Zeichen.
Eine zeitlose Schrift: Cooper Black


Schriftgießer:
Verzeichnis bekannter Schriftgießereien.
Bezeichnungen der Schriftgrößen im Bleisatz
in Spanien und Deutschland.
Bezeichnungen der Schriftgrößen im Bleisatz
in England und USA


Galerie 1:
Gebrochene Schriften in Kirgisien.
Blackletter today: Beispiele
aus Berlin und Braunschweig


Typedesigner:
Kleine Auswahl internationaler Schriftkünstler und ihrer Schriften


Stammbaum:

Versuch, die Entwicklung der Lateinischen Schrift
in Form eines Stammbaumes darzustellen.
Die Ausbreitung der Schrift in Vorderasien, Nordafrika
und Europa bis zum Mittelalter (Karte).
Zeitleiste zur Schriftentwicklung.
Entwicklungsstadien der Lateinischen Schrift


Schriftliste1:
Verzeichnis von Bleisatzschriften der Gruppe X
nach DIN 16 518 (Gebrochene Schriften).
Über 700 Abbildungen historischer Schriften.


Schriftliste2:
Verzeichnis von Bleisatzschriften der Gruppe VIII
nach DIN 16 518 (Schreibschriften)


Druckgeschichte:
500 Jahre Braunschweiger Druckgeschichte.
Verbreitung der Buchdruckerkunst in Europa.
Zitate


Galerie 2:
Kleine Typogalerie


Verschiedenes
Die Bleiletter.
Die 10 besten deutschsprachigen Bücher
zum Thema Schriftgeschichte.
Mehr oder wenige prominente Menschen,
die den Beruf des Schriftsetzers erlernt haben.

Korrekte An- und Abführungen in den
wichtigsten europäischen Sprachen.

Einige Druckereien, die auch heute
noch Handsatz und Buchdruck anbieten.
Hochschulen, an denen noch Werkstätten
für Handsatz und Buchdruck bestehen.

Zitate zum Zeitgeschehen

IN  MEMORIAM
Prof. Klaus Grözinger

Geboren am 18. 02. 1923 in Friemersheim (Niederrhein)
Gestorben am 20. 07. 2011 in Braunschweig

 

Dieser Webauftritt ist in die Auswahl
»Die besten deutschen Typografie-Webseiten«
aufgenommen worden (www.typografie.info vom 05. 06. 2011)

 

Vernunft & Zorn
»Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht
dem Bösen entgegenstellen,
wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.«

Papst Gregor der Große, um 600

 

Rektoren-Gehälter:
Die Ertappten reden von »Skandal«

»Mit der Veröffentlichung der aus Steuermitteln finanzierten üppigen
Gehälter von Hochschulrektoren, scheinen die NachDenkSeiten in ein
Wespennest gestochen zu haben. Die ertappten Präsidenten reden
von „Skandal“ und „Rechtsbruch“ und sie erwägen Anzeigen wegen
„Geheimnisverrats“. Es wird eine „gezielte Indiskretion“ des Wissenschafts-
ministeriums unterstellt und darüber hinaus die eigenen Gehaltsangelegen-
heiten zum Politikum erhoben. Wieder einmal wird der Bote der Information
beschimpft, um von der Botschaft selbst abzulenken. Die Rektoren sehen
„Vertrauen“ zerstört, wo doch sie selbst durch ihre „Selbstbedienung“
Vertrauen gegenüber den Hochschulangehörigen und der Öffentlichkeit
verloren haben. Ein beachtlicher Teil der Uni-Präsidenten ist offenbar Opfer
der Ideologie der „unternehmerischen Hochschule“ geworden:
Sie betrachten sich als Chefs der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
ihrer Hochschulen und wollen sich deren wissenschaftliche Leistungen
auf ihrem Gehaltskonto gutschreiben lassen.«

Wolfgang Lieb

LINK: Akademischer Kapitalismus: Rektoren
lassen sich Managergehälter genehmigen



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