»Zweitausend Jahre Schriftkultur gehen
im Augenblick als Ballast über Bord.«
Hermann Zapf (zitiert nach der FAZ vom 08. 11. 2008)


Die Schrift der Etrusker

Zu Beginn des 1. Jahrtausends vdZ waren die Etrusker, von den
Griechen Tyrrhenoi genannt, die Herrscher im nördlichen Italien.
Schenkt man dem griechischen Historiker Herodot Glauben, dann
stammen sie ursprünglich aus dem kleinasiatischen Lydien. Die
etruskische Sprache gibt den Wissenschaftlern noch heute
große Rätsel auf, während die griechische Abstammung ihrer Schrift
offensichtlich ist.

Selbst der Fund zweisprachiger Goldtäfelchen (phönikisch-etruskisch)
in Pyrgi, westlich von Rom, vermochte das Rätsel der etruskischen
Sprache nicht zu lösen.

Halten wir fest: Die Etrusker übernahmen das griechische Alphabet
in veränderter Form, über die Etrusker schließlich gelangte es
zu den altitalienischen Volksgruppen und entwickelte sich dann zum
lateinischen Alphabet.(4b)

Nach der Unterwerfung der Etrusker durch die Römer erlosch etwa zum
Beginn unserer Zeitrechnung sowohl die etruskische Schrift,
wie auch die Sprache. Das etruskische Alphabet wurde von einigen
altitalienischen Volksgruppen übernommen. Das umbrische
und oskische Alphabet entstanden im 5. oder 6. Jahrhundert vdZ.

 
Alpine Schriften

Die interessantesten Varianten des etruskischen Alphabets
entstanden allerdings im letzten Jahrhundert vdZ im Alpenraum;
wir bezeichnen sie heute als alpine Schriften.

Die Forschung billigte ihnen lange Zeit nur die Rolle als ein
toter Zweig der Schriftgeschichte zu. Diese These gilt heute als falsch,
es darf sogar angenommen werden, daß die alpinen Schriften
bei der Entstehung der Germanischen Runen eine Schlüsselrolle
gespielt haben. Auch hierüber streiten allerdings die Gelehrten.


Alpine Schriftzeichen aus dem Raum Bozen

Die alpinen Schriften werden in drei Hauptgruppen gegliedert: die
rätische Schrift aus dem Raum Bozen/Trient, die lepontische und
venetische Schrift. Die rätische Sprache war wahrscheinlich
eine Variante der etruskischen, allerdings mit keltischem Einschlag.
Noch heute wird in einigen Tälern der Südtiroler Dolomiten
das Ladinisch, eine rätoromanische Sprache gesprochen; in der Schweiz
ist das Rätoromanisch als vierte Amtssprache anerkannt.
Die cisalpinen Gallier verwendeten die lepontische Schrift.
Interessant in diesem Zusammenhang: die transalpinen Gallier im
heutigen Frankreich übernahmen das griechische Alphabet in fast
unveränderter Form. Erst ihre Unterwerfung durch Caesar ermöglichte
auch hier die Einführung der lateinischen Schriftzeichen.
Die Sprache der Veneter schließlich war eng dem Illyrischen verwandt.



Die Runen

Da im Absatz über die Alpinen Schriften die Runen
erwähnt wurden, wollen wir kurz auf sie zu sprechen kommen
und folgen dabei weiterhin der These, daß die Alpinen Schriften
ihre Entstehung maßgeblich beeinflußt haben. Runenfunde
wurden hauptsächlich in Südskandinavien, Jütland,
auf den Britischen Inseln und in Deutschland gemacht.
Aber auch in Italien, Rumänien, Rußland, Ungarn,
Griechenland und sogar auf Grönland wurde man fündig.
Die älteste bekannte Runenalphabet stammt wohl
aus dem 2. Jahrhundert und wird nach seinen ersten
sechs Buchstaben Futhark genannt (th = ein Zeichen). (4c)

Im angelsächsischen England wurden Runen und lateinische Schrift
häufig nebeneinander benutzt. Bekanntestes Beispiel ist ein Ring
aus Lancashire (ca. 9. Jahrhundert). Spätestens nach der
normannischen Eroberung Englands im 11. Jahrhundert setzte
sich dann in England die lateinische Schrift durch, die
Runen verschwanden. Die Verwendung der Runen kam
im heutigen Deutschland bereits um etwa 700 außer Gebrauch,
lediglich in Skandinavien wurden sie auch noch nach dem
11. Jahrhundert genutzt.


Es soll hier nicht verschwiegen werden, daß die Ansichten der
Wissenschaftler zum Ursprung der Runen (vorsichtig ausgedrückt)
sehr vielfältig sind. Der Philologe Dr. Kay Busch kommentierte dies
augenzwinkernd mit dem Satz: »Die Anzahl der Lehrmeinungen über
den Ursprung der Runen nähert sich der Anzahl der Lehrstuhlinhaber, 
die sich nachhaltig damit beschäftigten.«



Einige Runenzeichen

Interessant in diesem Zusammenhang ist, daß im heutigen Kirgisien
(Zentralasien) etwa vom 7. bis 9. Jahrhundert eine Runenschrift
benutzt wurde, die in Steindenkmälern überliefert ist (siehe unter-
stehende Abbildung). Das Eindringen mongolischer
Eroberer führte schließlich zum Verlust dieser Schrift.




Vorislamische Runen aus Zentralasien


Die Westgotische Schrift

Ebenfalls kurz erwähnt werden soll hier das Westgotische Alphabet. Die
Westgoten waren die ersten Germanen, die die christliche Religion annahmen.
Ihrem Bischof Ulfilas wird die Übersetzung der Bibel (oder zumindest
von Teilen der Bibel) in die westgotische Sprache zugeschrieben. Zu diesem
Zweck entwickelte er eine neue Schrift.

Dieses Alphabet ist dem griechischen entlehnt, enthält aber auch Zeichen aus
dem lateinischen und dem Runen-Alphabet. Die Westgotische Schrift ist nicht
mit der späteren sogenannten gotischen Schrift zu verwechseln und hat
interessanterweise keinerlei Bedeutung für die weitere Schriftentwicklung
gehabt.

Fußnoten

(4b) Eine lokale, mykenische Variante der Linearschrift, die sog. Liparische
Schrift, wurde auf den äolischen Inseln (vor Sizilien) nachgewiesen
und wird von den Wissenschaftlern in das 2. Jahrtausend vdZ eingeordnet.


(4c) »Die westlichen Nachbarn der Germanen, die Irländer, bedienten
sich in ihrer vorchristlichen Periode der Oghamschrift. Zweihundert
Inschriften in Stein geritzt, künden uns noch gegenwärtig die ehe-
malige Verbreitung der Schreibkunst der Einheimischen auf der
hibernischen Insel. (...) Das Christentum hatte mit dem Wegräumen
des Ogham nicht wenig Mühe. St. Patricius gab den einziehenden Latein-
buchstaben neue Namen, um die einheimischen Benennungen der heidnischen
Schriftzeichen zu verdrängen. Handschriften in lateinischer Schrift mit
Anmerkungen im Ogham-Alphabet waren im alten Irland keine Seltenheit.«
(Zitiert nach: Mieses, Matthias: Die Gesetze der Schriftgeschichte.
Wien und Leipzig, 1919)

 

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Harry Rowohlt zur sogenannten Rechtschreibreform:
»Diese Reform ist doch subventionierte Legasthenie.«
Gelesen im Hamburger Abendblatt vom 31. Juli 1997

»Die Reform der Rechtschreibreform endet als Reformtorso.«
Hubert Spiegel in der FAZ vom 4. März 2006


»Schrift und Sprache verändern sich behutsam, gleichsam evolutionär.
Auch vor der Rechtschreibreform hat beispielsweise die Duden-Redaktion
hieraus ihre Schlüsse gezogen und regelmäßig neue Schreibweisen in die
jeweils aktuelle Ausgabe übernommen. Diese Regelung hat sich jahr-
zehntelang gut bewährt – bis zu dem Tage, als Bürokraten uns eine neue
Schriftsprache verordnet haben. Das konnte ja nur in die Hose gehen!«

Der Autor dieser Internet-Seiten in einem Leserbrief an den
Rheinischen Merkur, 2004


»Die Rechtschreibreform ist endgültig gescheitert.«
Welt Online, 30. 08. 2009

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