Versuch, die Entwicklung der Lateinischen Schrift
in Form eines Stammbaumes darzustellen


Schriftstammbäume zu zeichnen ist äußerst problematisch,
auch Fachbuchautoren haben dies bereits in der Vergangenheit
mit durchaus unterschiedlichen Ansätzen getan. Man kann, schon
aus Gründen der Übersichtlichkeit, nicht jede Entwicklung darstellen.
Irgendeine Schrift fällt fast zwangsläufig unter den Tisch.
So beansprucht auch meine Darstellung keineswegs Vollständigkeit.
Vielleicht kann sie trotzdem einen groben Überblick über die
Entwicklung von der Capitalis monumentalis der Römer bis hin
zu den Fraktur-, Egyptienne- und Groteskschriften geben.

 
Zeitleiste zur Schriftentwicklung
von den Anfängen bis zur
Capitalis monumentalis der Römer

(stark vereinfacht)

6. Jahrtausend vdZ Alteuropäische Linearschrift der Vinca-Kultur
4. Jahrtausend vdZ älteste schriftliche Aufzeichnungen der Sumerer (Mesopotamien)
3. Jahrtausend vdZ Voll entwickelte Hieroglyphen-Texte
2. Jahrtausend vdZ Kretische Bilderschrift und Altkyprische Schrift
1. Jahrtausend vdZ Klassische Zyprische Schrift
17. Jahrhundert vdZ Kretisch-Minoische Silbenschrift (Phaistos)
17. oder 16. Jahrhundert vdZ ältestes Zeugnis der phönikischen Schrift (Abdo-Fragment)
ca. 16. Jahrhundert vdZ Linear A und Linear B lösen die Kretisch-Minoische Schrift ab
15. Jahrhundert vdZ Untergang der Minoischen Kultur
13. Jahrhundert vdZ älteste Dokumente des Schriftgebrauchs in China
8. Jahrhundert vdZ Griechenland Phonetische Schrift mit Konsonanten und Vokalen
7. Jahrhundert vdZ Übergangsform der Mittelphönikischen Schrift
ca. 7. Jahrhundert vdZ Etruskische Lapidarschrift nach griechischem Vorbild
ca. 6. Jahrhundert vdZ Entstehung des lateinischen Alphabets aus der Schrift der Etrusker
5. Jahrhundert vdZ Einführung des Ionisch-Attischen Alphabets mit 24 Zeichen
als Standardschrift der gesamten griechischen Welt
4. Jahrhundert vdZ Kathargische (Punische) Form des phönikischen Alphabets
2. Jahrhundert vdZ Römische Lapidarschrift
2. oder 1. Jahrhundert vdZ Alpine Schriften und erste Runenalphabete
ca. 1. Jahrhundert vdZ Capitalis monumentalis



Die Ausbreitung der Schrift in Vorderasien, Nordafrika
und Europa bis zum Mittelalter (vereinfachte Darstellung)


Entwicklungsstadien der Lateinischen Schrift
Von der römischen Lapidarschrift bis 1970


Römische Lapidarschrift ca. 2. Jahrhundert vdZ
Capitalis monumentalis 1. Jahrhundert vdZ
Capitalis rustica ca. 1. - 5. Jahrhundert
Ältere römische Kursiv 1. - 3. Jahrhundert
Römische Unziale ca. 3. - 9. Jahrhundert
Jüngere römische Kursiv 3. - 7. Jahrhundert
Römische Halbunziale ca. 3. - 7. Jahrhundert
Capitalis quadrata 4. - 5. Jahrhundert
Irisch-angelsächsische Halbunziale ca. 7. - 12. Jahrhundert
Römische halbkursive Minuskel 7. - 9. Jahrhundert
Regionalschrift: Langobardische Minuskel 7. - 9. Jahrhundert
Regionalschrift: Merowingische Minuskel 7. - 8. Jahrhundert
Regionalschrift: Westgotische Minuskel (Visigothic) 8. - 11. Jahrhundert
Karolingische Minuskel 8. - 11. Jahrhundert
Regionalschrift: Beneventana 9. - 13. Jahrhundert
Spätkarolingische Minuskel 11. - 12. Jahrhundert
Frühgotische Minuskel 12. - 13. Jahrhundert
Gotische Minuskel 13. - 15. Jahrhundert
Gotische Kursiv (Bastarda) 13. - 15. Jahrhundert
Rundgotisch (Rotunda) 13. - 15. Jahrhundert
Textura (Gotische Schrift) 14. - 15. Jahrhundert
Gotico-Antiqua (Mischform) 14. Jahrhundert
Humanistische Minuskel 15. - 16. Jahrhundert
Humanistische Kursiv 15. - 16. Jahrhundert
Schwabacher 16. Jahrhundert
Fraktur 16. - 17. Jahrhundert
Kanzleischrift (Chancery) 16. Jahrhundert
Garamond 16. Jahrhundert
Caslon 18. Jahrhundert
Baskerville 18. Jahrhundert
Didot und Bodoni 18. Jahrhundert
Walbaum Frühes 19. Jahrhundert
Groteskschrift (Serifenlos) Frühes 19. Jahrhundert
Italienne (Serifenbetont) 1821
Clarendon (Serifenbetont) 1844
Akzidenz-Grotesk (Serifenlos) 1898
Gill 1927
Futura ab 1927
Times New Roman 1931
Folio 1954
Univers ab 1957
Helvetica (Neue Haas-Grotesk) ab 1958
OCR (Maschinenlesbare Schrift) 1963
Frutiger ab 1970

 




Harry Rowohlt zur sogenannten Rechtschreibreform:
»Diese Reform ist doch subventionierte Legasthenie.«
Gelesen im Hamburger Abendblatt vom 31. Juli 1997

»Die Reform der Rechtschreibreform endet als Reformtorso.«
Hubert Spiegel in der FAZ vom 4. März 2006


»Schrift und Sprache verändern sich behutsam, gleichsam evolutionär.
Auch vor der Rechtschreibreform hat beispielsweise die Duden-Redaktion
hieraus ihre Schlüsse gezogen und regelmäßig neue Schreibweisen in die
jeweils aktuelle Ausgabe übernommen. Diese Regelung hat sich jahr-
zehntelang gut bewährt – bis zu dem Tage, als Bürokraten uns eine neue
Schriftsprache verordnet haben. Das konnte ja nur in die Hose gehen!«

Der Autor dieser Internet-Seiten in einem Leserbrief an den
Rheinischen Merkur, 2004


»Die Rechtschreibreform ist endgültig gescheitert.«
Welt Online, 30. 08. 2009

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