Zeitschriften-Inserat aus dem Jahre 1925
 

Aus dem Kuriositätenkabinett:
Die Centralschrift von 1853 und die
Schochische Versalschrift von 1844


Die Berliner Schriftgießerei Schoppe veröffentlichte 1853 die sogenannte
Centralschrift. Es war der kuriose Versuch, die Eigenheiten der Fraktur und
der Antiqua in einem einzigen Entwurf miteinander zu »versöhnen«.
Deckt man jeweils eine Hälfte des Musterwortes »Buchhandlung« ab,
so wird deutlich worin der »Trick« des Schriftentwerfes bestand. Die obere
Hälfte der Zeichen offenbart Antiqua-, die untere Hälfte Fraktur-Charakter.

So plözlich wie sie auf der Bildfläche erschienen war, so schnell verschwand
die Centralschrift allerdings auch wieder in der Versenkung...

Die Designer Lars Harmsen und Boris Kahl haben 2002 diese Idee aufge-
griffen und mit der Fraktendon eine Kombination aus Clarendon und Fraktur
geschaffen.

 

Die Schochische Versalschrift von 1844

Gebrochene Schriften nur in Versalien zu setzen, ist eigentlich

eine typografische Todsünde. Der Schriftgießer Friedrich Schoch

aus Augsburg hat 1844 allerdings genau für diesen Zweck eine
neue Schrift entwickelt. Im Journal für Buchdruckerkunst,
No. 10 von 1844 wurde diese mit folgenden Worten vorgestellt:

»Schochische Versalschriften, erfunden, geschnitten und gegossen

von F. Schoch in Augsburg. Diese neuen Versalien sind gleich den
französischen Lettres de Points alle unter sich von einer Größe,
und stehen wie jene vollkommen in Linie. Die Zeichnung daran ist
aufs Einfachste gehalten, daher jeder Satz davon auch für
Jedermann leicht zu lesen ist.«




Bereits ein Jahr später präsentierte Schoch im Journal für Buch-
druckerkunst Nr. 13 vom 15. Juli 1845, eine weitere Schrift aus
seinem Schaffen: Die sogenannte
»Variirte Schochisch«.



Die zweifelhafte Qualität seiner Schriftschöpfungen blieb indes
nicht ohne Widerspruch. So fragte im Journal für Buchdruckerkunst
Nr. 8 vom 30. April 1846 ein gewisser F. D. aus Lübben:

»Ist es wirklich möglich, daß Jemand an dieser allem guten Geschmack
Hohn sprechenden, mittelalterlichen Leichenstein-Schrift Gefallen
finden kann? … Also hinweg mit diesen und allen sonstigen geschmack-
losen Schriften.«


 



Typografie vergangener Tage: Jede Zeile eine andere Schrift



Der Ursprung des Lang-s

Die Verwendung des Lang-s ist etwa ab dem Jahr 300 nachweisbar.
Es begegnet uns in den römischen Kursivschriften ebenso wie in den
späteren Regionalschriften (z. B. in der Merowingischen Diplom- oder
Gitterschrift). Über seine Herkunft findet man in der Fachliteratur aller-

dings kaum etwas. Umso interessanter die These von Karl Faulmann in
seinem 1880 erschienenen Werk »Illustrierte Geschichte der Schrift«
(Seite 550): Faulmann vermutet, daß phönikische Schreibsklaven
das lange s in die Kursivschriften der Römer »eingeschmuggelt« haben
und seine Quelle das phönikische Zeichen »sade« sei.



Links: Das phönikische Zeichen »sade«
Rechts: Das römische Lang-s im Wort »suo«
(Nachzeichnung eines Originals aus dem 4. Jahrhundert)


Die Ligatur ß

Die im Deutschen am häufigsten verwendete Ligatur ist das
so genannte sz oder scharfe s, manchmal auch spitzes s oder
Dreier-S genannt. Eigentlich ist der Name sz nicht korrekt,
denn das ß hat sich aus dem langen s und dem hakenförmigen s (1)
der Gebrochenen Schrift entwickelt (siehe Abbildung). Das
lange s wurde innerhalb eines Wortes verwendet, tauchte
das s am Ende einer Silbe oder eines Wortes auf, wurde das
Schluss-s geschrieben.


Das hakenförmige s wurde lediglich in Verbindung mit dem
langen s verwendet, ist also ein besonderes Zeichen mit einer
eigenen Formgeschichte.


Nun traten im Deutschen viele Worte auf, bei denen die
Endung –ss auftrat. Im Laufe der Zeit wurden die beiden Zeichen
miteinander verbunden, so dass der Bogen des langen s in das
hakenförmige s überging.

In der Gotischen Schrift (Textura) wurde bei der Bildung der
ss-Ligatur das rechte (hakenförmige) s so nah an das lange s
herangeführt, dass nur noch die rechte Hälfte sichtbar war. Dies
sah jedoch in dieser Schriftart einem kleinen z meist verblüffend
ähnlich. Daher wurde das »ss« in der Folgezeit häufig als »sz«
mißinterpretiert und »Eszet« genannt. Diese Umdeutung floß
dann auch  in die lateinischen Schriftarten (Antiqua-Schriften) ein.

In Heyses »Theoretisch-praktischer deutscher Schulgrammatik«
(Hannover 1834) hat die Ligatur folgendes Ausssehen:


Hier sind lang-s und rund-s deutlich erkennbar



Straßenschild in Braunschweig: Isoliertes langes und kurzes s.
Foto: Prof. Klaus Grözinger. Herzlichen Dank für sein Einverständnis,
dieses hier zu veröffentlichen


Beim Thema »Ursprung des ß« prallen stets gegensätzliche Meinungen
aufeinander. Im Internet finden sich z.B. ganze Foren, in denen die
Entstehung dieses Zeichens kontrovers (und leider auch oft
dogmatisch) diskutiert wird. Ich möchte hier zwar keineswegs den
Eindruck erwecken, als sei die hier geschilderte Version unumstößlich,
aber der These, daß das ß in den gebrochenen Schriften aus lang-s
und z, bei der Antiqua hingegen aus lang-s und rund-s entstanden
sei (2), mag ich mich beim besten Willen nicht anschließen.


Der rechte Teil der Ligatur mag in gebrochenen Schriften einem z
ähneln, aber da der Ursprung des Zeichens sehr weit zurückliegt,
kann es auch etwas völlig anderes sein, das wir nicht mehr einfach
einem unserer heute verwendeten 26 Buchstaben zuordnen können.


Der Typograf Max Bollwage kommt zu folgendem Ergebnis: »... weder
ein halbverdecktes Schluß-Es, noch ein lateinisches Zett, auch nicht ein

deutsches Zett wie der Duden behauptet, sondern zwei unterschiedliche
lateinische Kürzel bilden jeweils zusammen mit dem langen Es das
ach so deutsche scharfe Es!«.
(3)


Brauchen wir ein Versal-ß ?

Im Leipziger Duden, 15. Auflage, 1959, findet sich folgende
Aussage: »Das Schriftzeichen ß fehlt leider noch als Großbuchstabe.
Bemühungen, es zu schaffen, sind im Gange. Es wird jetzt noch ersetzt
durch SS oder, falls Mißverständnisse möglich sind, durch SZ.«
(Seite 800).

»Konsequenterweise« findet sich ein ß auch auf dem Einband und
dem Haupttitel des Leipziger Duden in der Versaltitelzeile
DER GROßE DUDEN (siehe Abbildung). Die Frage muß erlaubt sein,
warum die Leipziger Dudenredaktion sich nicht für die auf Seite
800 propagierte Lösung hat entscheiden können...



Der Sprachforscher Jacob Grimm forderte bereits zu in der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts von den Druckereien die Verwendung eines
Lang-s und eines ß in den Antiquaschriften. In seinem Hauptwerk, dem
»Deutschen Wörterbuch« (DWB), an dem er ab 1854 gemeinsam mit seinem
Bruder Wilhelm arbeitet, verwirft er aber überraschend die ß-Letter
und favorisiert nun die Buchstabenverbindung sz. Auch seine Forderung
nach einem Lang-s scheint plötzlich überholt zu sein. Jacob Grimm
stirbt 1863, sein DWB wird von den Sprachwissenschaftlern fortgeführt.

Erst 1960 erscheint der letzte Band. An der Verwendung der sz-Form
wird bis zu diesem Zeitpunkt festgehalten, obwohl es seit 1903 im
deutschsprachigem Raum bereits ein offizielles ß-Zeichen gibt!

Dessen Einführung ging eine mehrjährige Diskussion voraus, deren
Ergebnisse in Form von 30 verschiedenen Vorschlägen einer ß-Letter
im »Journal für Buchdruckerkunst« veröffentlicht wurden. Die Wahl
fiel schließlich auf die heute bekannte sog. »Sulzbacher Form«
des ß.

1903 wird die Einführung des ß in der »Sulzbacher Form«
offiziell im amtlichen Teil der »Zeitschrift für Deutschlands
Buchdrucker« bekanntgegeben. Die Frage nach einem Versal-ß bleibt
allerdings unbeantwortet, da die hierzu eingereichten Vorschläge
nicht die Zustimmung einer extra berufenen Kommission finden.

Ungeachtet dessen produzieren in der Folge verschiedene
Schriftgießereien eigene Versionen eines Versal-ß, so z.B. die
Bauersche Gießerei 1910 zu der Kleukens-Antiqua. Durchgesetzt hat
sich der Einsatz eines Versal-ß allerdings ebensowenig wie die
Verwendung des SZ im Versalsatz für das Doppel-s. Ausnahmen
bestätigen auch hier die Regel: Im »Satztechnischen Taschen-Lexikon«
(Wien 1925) ist auf dem Haupttitel z.B. das Wort SCHRIFTGIESZEREI
zu finden.


Die Situation nach der Rechtschreibreform von 1996

Man mag ja zu Sinn und Unsinn der Rechtschreibreform von 1996
stehen wie man will, anerkennen sollte man aber immerhin
die Eindeutigkeit, mit der die Dudenredaktion die
ß-Schreibung im Versalsatz regelt. In der 21. Auflage des Duden
findet sich in den »Richtlinien für den Schriftsatz« folgender Satz:

»Will man nur Großbuchstaben verwenden, so wird das ß durch
SS ersetzt.«
(Seite 71).

Auf Seite 870 (»Die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung«)
heißt es unter § 25 Besonderheiten bei [s]:

»Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS, z. B.
Straße - STRASSE«


Brauchen wir also heute noch ein Versal-ß ? Wohl kaum.
Eine andere Frage könnte allerdings lauten: Brauchen wir überhaupt
noch ein ß ? Unsere Schweizer Nachbarn immerhin verzichten auf dieses
Zeichen schon seit vielen Jahren und verwenden stattdessen das
Doppel-s. Nun hat aber auch diese Lösung ihren »Pferdefuß«. Ein kleines
Beispiel: Nehmen wir an, die Überschrift Körpermasse und Körpermaße
soll in einer Schweizer Zeitung erscheinen. Bei der in der Eidgenossenschaft
üblichen Schreibweise hätte der Leser zweifellos Schwierigkeiten,
zu verstehen, was eigentlich gemeint ist. Die Neue Zürcher Zeitung
schrieb denn auch 1989 in einer Glosse, die Abschaffung des ß sei
kein Gewinn gewesen.


Nachtrag: Im Mai 2008 berichtete das Deutsche Institut für Normung
(DIN), daß bei der Internationalen Organisation für Normung (ISO) in
Genf der Antrag gestellt sei, ein Versal-ß im deutschen Alphabet und im
Internationalen Schriftzeichenkatalog zu verankern. Da fragt man sich
doch unwillkürlich, ob es das ist, worauf die Welt noch gewartet hat...
Nur gut, daß wir keine anderen Sorgen haben.

Anfang 2008 wurde das große ß als neues Zeichen in den
internationalen Standard Unicode für Computer
zeichensätze
aufgenommen, am 24. 06. 2008 trat die entsprechende
Ergänzung der Norm in Kraf
t.
In der
»elitären« Designer-/Typo-Szene gibt es allerdings einige
lautstarke Befürworter des Versal-ß. Dies soll hier keineswegs
unterschlagen werden.


Quellen:
Martin Z. Schröder: Hilfe! Ein Buchstabe fehlt! Süddeutsche Zeitung, 15. 05. 2007.
Das große ß kommt. Vorbereitungen auf einen neuen Buchstaben.
Der Standard, 22. 05. 2008.
Das große ß kommt. Die Presse, 22. 05. 2008.
Erste Entwürfe: Das große ß kommt. Handelsblatt, 22. 05. 2008.
Jetzt beginnt die GROSSE Zukunft. Die Welt, 25. 06. 2008.
Ein neuer deutscher Buchstabe. Braunschweiger Zeitung, 26. 06. 2008.
Das kleine ß gibt es jetzt auch in groß. Netzeitung, 25. 06. 2008
Das deutsche Alphabet hat endlich ein großes ß. tz München, 26. 06. 2008


Fußnoten
(1) Es soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, daß viele
Fachleute dieses Zeichen als z deuten! (Siehe auch Fußnote 2)
(2) Zu genau diesem Ergebnis kommt allerdings Prof. Dr. Herbert Brekle in
seiner lesenswerten Arbeit »Zur handschriftlichen und typographischen
Geschichte der Buchstabenligatur ß aus gotisch-deutschen und
humanistisch-italienischen Kontexten«. Gutenberg-Jahrbuch 2001.
(3) Bollwage, Max: Ist das Eszett ein lateinischer Gastarbeiter?
Gutenberg-Jahrbuch 1999, Mainz, 1999


Zum Thema »ß« einige Literaturempfehlungen:

Walter, Alexander: Auf der Suche nach dem verlorenen Daß.
Plaidoyer für die Re-Ästhetisierung unserer Rechtschreibung.
Hemsbach, 2012

Willberg, Hans Peter: Typolemik. Streiflichter zur Typographical
Correctness. Mainz, 2000
Kandler, Georg: Alphabete. Erinnerungen an den Bleisatz. Band 1.
Kornwestheim, 1995
Kandler, Georg: Noch einmal: Lang-s und ß.
Deutscher Drucker, 18/1985

Bollwage, Max: Buchstabengeschichte(n). Graz, 2010


Geheimnisvolle Zeichen,
fast vergessene Alphabete.
Zwei Beispiele


Der Schriftenstreit in Somalia

Als Somalia im Jahre 1960 die Unabhängigkeit erreichte, hatte das
Land im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Kolonialherren
kennengelernt. Araber, Portugiesen, Engländer, Franzosen und
Italiener haben ihre Spuren am Horn von Afrika hinterlassen.
1960 schließlich wurden Britisch-Somaliland und das italienische
Protektorat Somalia zu der Republik Somalia vereinigt. Die
Staatsgründung stand von Anfang an unter keinem guten Stern:
Vetternwirtschaft und Korruption gehörten zum Alltag der Somalis.
Hinzu kam ein heftiger Streit über die Frage, welche Schrift
man für die somalische Sprache verwenden sollte.
Zur Auswahl standen Arabisch, Lateinisch und elf sogenannte
»somalische« Alphabete.

Ein von der Regierung eingesetzter Ausschuß prüfte zahlreiche
eingereichte Entwürfe und entschied sich schließlich 1961 für ein
somalisches Alphabet, daß nach seinem Schöpfer Osman Jusuf
den Namen »osmanisches Alphabet« bekam. Jusufs Alphabet
setzte sich aus unterschiedlichen Einflüssen zusammen.
Die Rechtsläufigkeit der Schrift übernahm er von der lateinischen Schrift,
während die Reihenfolge der Buchstaben sich an das Arabische
anlehnte. Die Form der Buchstaben schließlich ist eng dem
Äthiopischen verwandt. Da viele Somalis als Erbe der langen
Kolonialzeit auch englisch und italienisch sprechen, brach
sofort nach Einführung des osmanischen Alphabets landesweit ein
sehr heftig geführter Streit über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme aus.



Einige Zeichen des sog. osmanischen Alphabets

Im Jahre 1969 putschte sich der Offizier Siad Barre erfolgreich
an die Macht. Ziel seines Putsches war unter anderem die Beendigung
des Schriftenstreits. 1973 wurde das osmanische Alphabet offiziell
abgeschafft und durch das lateinische ersetzt.



Die Letteros der Kanarischen Inseln

Die Ureinwohner des kanarischen Archipels, die Guanchen, geben der
Wissenschaft bis heute einige Rätsel auf. Sowohl ihre Herkunft als auch
ihre Schriftzeichen, die sog. Letteros, sind bis heute ein »Buch mit sieben
Siegeln«.

Die Guanchen, ursprünglich die Bezeichnung für die Söhne (guan)
von Teneriffa (achinech), die sich fälschlicherweise für die
Ureinwohner aller Inseln eingebürgert hat, sind wahrscheinlich in
mehreren Wellen aus Nordwestafrika und der iberischen Halbinsel
auf die Inseln gekommen.

Von 1325 bis 1496, also rund 170 Jahre haben die spanischen
Konquistadores gebraucht, um die eigenständige Kultur der
Altkanarier zu vernichten. Die Ureinwohner wurden erschlagen,
ausgehungert oder zur Assimilation gezwungen. Auf Teneriffa
soll noch jeder fünfte Einwohner Guanchenblut in den Adern haben.

Die Felsinschriften der Guanchen wurden 1870 von dem Spanier
Aquillon Padrón für die Wissenschaft wiederentdeckt. Besonders
gut erhaltene findet man auf Hierro und im Süden La Palmas.
Sie weisen Ähnlichkeit mit Zeichen auf, die man im westberberischen
Stammesgebiet des Atlas entdeckt hat.

Der Wissenschaftler M. Torres vermutet hinter einigen der Zeichen
Namen von Ortschaften und Lebensmitteln.


Literatur
Camacho, Jonas P.: Guanchen. Mythos und Wahrheit. Dritte Auflage.
Santa Cruz de Tenerife, 2015
Castellano Gil, José M. und Marcias Martin, Francisco J.: Die Geschichte der
Kanarischen Inseln. 2. Auflage. La Laguna, 1994
Concepción, José Luis: Die Guanchen. Ihr Überleben und ihre Nachkommen.
8. Auflage. La Laguna, 1988
Lopez Herrera, Salvador: Die Kanarischen Inseln. Ein geschichtlicher Überblick.
Santa Cruz de Tenerife, 1978
Perez Ortega, J.: Die Kanarischen Inseln. Ihre Ureinwohner und die Eroberer.
Santa Cruz de Tenerife, 1987



Eine zeitlose Schrift:

Konservative amerikanische Drucker witterten 1921/22 eine
»black menace« (schwarze Bedrohung), als der Graphiker
Oswald Bruce Cooper seine Schrift Cooper Black bei
Barnhart Bros. & Spindler in Chicago veröffentlichte.
Ungeachtet diese Urteils entwickelte sich die Cooper Black
zu einem Kassenschlager. Besonders in der Werbung erfreute
sich diese Schrift zunehmender Beliebtheit. Ob in Zeitungs-
inseraten oder auf Plakaten, immer häufiger tauchte Coopers
Entwurf auf. Bereits 1924 nimmt auch die Schriftguß AG in Dresden
sie in ihr Programm auf.


Cooper scheint zudem ein Mann mit einem ausgeprägten Sinn für
Humor gewesen zu sein: auf den Vorwurf der »Schwarzen Bedrohung«
reagierte er mit der Veröffentlichung der Cooper Hilite im
Jahre 1925, ohne daß diese »Zweitverwertung« allerdings die
Popularität des Originals hätte übertreffen können.



Cooper Hilite von 1925

Bis heute begegnet uns die Cooper Black in allen möglichen
Anwendungen. Ob Leuchtreklamen, Jazz-Plakate oder auf
»Fast-Food-Flyern«: ihr Einsatzgebiet scheint schier unbegrenzt zu
sein. 1966 benutzte die amerikanische Rockband »The Beach Boys«
die »Black« für das Cover ihres bis heute erhältlichen Albums
»Pet Sounds«.




In den frühen 70er Jahren erlebte die Schrift auf zahllosen
Postern und Plattencovern eine wahre Renaissance.
2005 begegnet uns die Cooper Black u.a. auf dem CD-Cover von
Adam Greens Album »Gemstones«. Zweifellos: eine zeitlose Schrift!


Literatur zu Oswald Cooper und seiner Cooper Black:
The Wizardry of Oz. In: Baseline. International Typographics Magazine.
Issue Three, 1981

 




Harry Rowohlt zur sogenannten Rechtschreibreform:
»Diese Reform ist doch subventionierte Legasthenie.«
Gelesen im Hamburger Abendblatt vom 31. Juli 1997

»Die Reform der Rechtschreibreform endet als Reformtorso.«
Hubert Spiegel in der FAZ vom 4. März 2006


»Schrift und Sprache verändern sich behutsam, gleichsam evolutionär.
Auch vor der Rechtschreibreform hat beispielsweise die Duden-Redaktion
hieraus ihre Schlüsse gezogen und regelmäßig neue Schreibweisen in die
jeweils aktuelle Ausgabe übernommen. Diese Regelung hat sich jahr-
zehntelang gut bewährt – bis zu dem Tage, als Bürokraten uns eine neue
Schriftsprache verordnet haben. Das konnte ja nur in die Hose gehen!«

Der Autor dieser Internet-Seiten in einem Leserbrief an den
Rheinischen Merkur, 2004


»Die Rechtschreibreform ist endgültig gescheitert.«
Welt Online, 30. 08. 2009


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