Zur Geschichte
der arabischen Ziffern


Neben den Groß- und Kleinbuchstaben bilden die Ziffern das
dritte Element unserer Schrift. Grund genug, etwas über ihre Herkunft
und ihre Formenwandlungen im Laufe der Geschichte zu wissen.
Schon ihr Name, »Arabische Ziffern« sagt einiges über
ihren Ursprung aus, obwohl ihre Heimat freilich
in Indien zu suchen ist.

Die Ziffer »Null« und die Bedeutung des Stellenwerts kommen nach
heutiger Erkenntnis aus der indischen Brahmi-Kultur
(ca.500 vdZ). Die Brahmi-Schrift besaß Zahlzeichen von 1 bis 9.
Die Null kam etwa 1000 Jahre später hinzu,
zuerst als Punkt, später als kleiner Kreis geschrieben.

Der arabische Gelehrte Muhammed al Chwarazmi übersetzte
im 8. Jahrhundert ein indisches Werk über Astronomie und
veröffentlichte 820 ein Rechenbuch, welches wiederum vom Mönch
Adelhard von Rath ins Lateinische übersetzt wurde.

Vermutlich Kaufleute brachten die indischen Ziffern
ca. im 9. Jahrhundert mit in den arabischen Raum.
Hier erfuhren sie erste Umformungen. Die heute im arabischen Sprachraum
gebräuchlichen Ziffern weisen freilich immer noch große
Ähnlichkeit zu den Ziffern der über 1000 Jahre alten
Gwalior-Inschrift auf.



Indische Ziffern aus dem 9. Jahrhundert

Über die in Spanien ansässigen Mauren gelangten die
(west)arabischen Ziffern etwa im 11. Jahrhundert schließlich
in den europäischen Kulturkreis. Unter der Maurenherrschaft
(711 bis 1236) waren Cordoba und Toledo Mittelpunkte der arabischen
Kultur in Spanien. In dem Prozeß der Verweltlichung der Wissenschaften
spielte der islamische Einfluß in Europa eine nicht zu
unterschätzende Rolle. 1085 proklamierte sich Alfons VI.
von Spanien sowohl nach christlichem wie nach islamischem
Ritus zum Kaiser, sein Herrschersitz zu Toledo wuchs zu
einem Zentrum der Wissenschaften heran, das auf arabischen Modellen
beruhte, die fortgeschrittener waren als alles, was Europa
bisher erreicht hatte. Die großen Werke der alten Griechen
überkamen uns nicht direkt aus Hellas, sehr viele Übersetzungen
wurden durch islamische Gelehrte in Toledo angefertigt.
Gerard de Cremona (gest. 1187 in Toledo) soll 71 arabische Werke
über Mathematik, Philosophie, Astronomie und Medizin
ins Lateinische übersetzt haben.



Westarabische Ziffern


Die arabischen Ziffern setzten sich in Europa allerdings
nur sehr langsam durch. Nicht zuletzt die katholische Kirche
stand den neuen Formen kritisch gegenüber. Erst mit der Entstehung
des Bürgertums erkannte man die Vorzüge des schnelleren
Rechnens mit arabischen Ziffern. Im Charakter der jeweiligen Schriftart
wurden die Ziffern als sogenannte »Minuskelziffern«
geschrieben, also mit Unter- und Oberlängen, wobei meist
3, 4, 5, 7 und 9 Unterlängen bekamen, 6 und 8 hingegen Oberlängen.
(Heute spricht man bei diesen Ziffernformen allgemein
von »Mediaevalziffern«.) Einige Ziffern glichen anfangs noch nicht den
heute bekannten Formen. Erst durch das 1550 veröffentlichte
Rechenbuch Adam Rieses, in ihm sind bereits alle heutigen Formen
enthalten, setzte der Prozeß der Vereinheitlichung ein;
aber an Bauten wurden oft weiterhin die monumentalen
römischen Zahlzeichen verwendet.


Spanische Handschrift aus dem Jahre 976. Älteste bekannte
Verwendung der indisch-arabischen Ziffern in Europa


Nachdem sich das Konzept der arabischen Ziffern in Europa
durchgesetzt hatte, wurde es mit verschiedenen Namen
belegt, die aber alle auf das arabische Wort »sifr« zurückgehen.
Dieses Wort steht für »Null« oder »leer« und ist die arabische
Übersetzung des indischen »sunya«, welches die
gleiche Bedeutung hat. Neben der lateinischen Transkription
»Ziffer« verwandte man u.a. folgende Varianten: Sifra, Cifra, Cyfra,
Cifre, Cyfre, Zifer. Das deutsche Wort »Null« hingegen
geht auf das lateinische »nulla« (=keiner) zurück.

In einigen europäischen Sprachen hat sich die ursprüngliche
Bedeutung des Wortes »sifr« ansatzweise erhalten.
Die Portugiesen verwenden »cifra« sowohl für die »Null« als
auch für das Zahlzeichen. Das englische »cipher« wurde
lange Zeit für die »Null« verwendet, während für die
Bezeichnung der Ziffer »numeral« oder »figure« verwendet wurden.
In der schwedischen Sprache bezeichnet »siffra« sinngemäß
einen wertlosen Menschen. Das italienische »zero«
wird ebenfalls in der ursprünglichen Bedeutung benutzt.

Weblink
Von Ziffern und Zeichen


 




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Harry Rowohlt zur sogenannten Rechtschreibreform:
»Diese Reform ist doch subventionierte Legasthenie.«
Gelesen im Hamburger Abendblatt vom 31. Juli 1997

»Die Reform der Rechtschreibreform endet als Reformtorso.«
Hubert Spiegel in der FAZ vom 4. März 2006


»Schrift und Sprache verändern sich behutsam, gleichsam evolutionär.
Auch vor der Rechtschreibreform hat beispielsweise die Duden-Redaktion
hieraus ihre Schlüsse gezogen und regelmäßig neue Schreibweisen in die
jeweils aktuelle Ausgabe übernommen. Diese Regelung hat sich jahr-
zehntelang gut bewährt – bis zu dem Tage, als Bürokraten uns eine neue
Schriftsprache verordnet haben. Das konnte ja nur in die Hose gehen!«

Der Autor dieser Internet-Seiten in einem Leserbrief an den
Rheinischen Merkur, 2004


»Die Rechtschreibreform ist endgültig gescheitert.«
Welt Online, 30. 08. 2009

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